Kunst als Dialog. Kollektives Wissen. Neue Machtverteilungen.
Künstlerische Arbeit ist für mich immer auch ein dialogischer Prozess. Selbst in sehr persönlichen oder performativen Arbeiten ist es gerade der Austausch - mit dem Raum, dem Publikum, dem Material und anderen Kunstschaffenden - der Reibung erzeugt und neue Perspektiven eröffnet.
Ob im Duo, im Kollektiv oder in Form von größeren Kollaborationen - ich suche ganz gezielt Konstellationen, in denen Kunst, Film, Aktivismus, Theater, Forschung und mehr zusammenkommt.
Kollaboration ist für mich kein Nebenschauplatz, sondern ein essentieller, wiederkehrender Bestandteil meiner Praxis und künstlerischen Philosophie. Sie stellt ein Gegengewicht zu den oft stark ich-bezogenen Dynamiken künstlerischer Produktion dar und setzt dem problematischen Einzelkünstler-Genie-Narrativ entschieden etwas entgegen.
Mich interessiert, was entsteht, wenn Ideen nicht nur individuell verfolgt, sondern gemeinsam verhandelt werden. Kollektive Prozesse ermöglichen eine andere Art von Wissen, sie hinterfragen Besitzansprüche an Kunst und öffnen Räumen für Begegnungen jenseits von Konkurrenz. Besonders in performativen und interdisziplinären Arbeiten nutze ich Kollaboration als Mittel, um Grenzen - zwischen Disziplinen, Rollen und Körpern - zu verschieben und neue Formen des Arbeitens zu erproben.
Gleichzeitig bin ich mir bewusst, dass kollaboratives Arbeiten Zeit, Energie und gegenseitige Verbindlichkeit erfordert. Es ist für mich eine Praxis, die ich gerne erkunde, aber nicht unbegrenzt oder wahllos eingehe. Vielmehr ist es ein Prinzip, das sich organisch durch meine künstlerische Arbeit zieht - immer dann, wenn sich die richtigen Konstellationen und Fragen ergeben.
Ein Beitrag von Arte TRACKS über die Intervention/ Performance "Amnesia Cruise" von The Yes Men, Threads & Tits und Say No to LNG , an der ich zusammen mit meiner Klasse von Heba Y. Amin teilgenommen habe. Im Dezember 2024 fand das weltweite LNG-Gipfeltreffen in Berlin statt - wir waren vor Ort. Schaut selbst ...
Im Rahmen ihrer Ausstellung "Impossible is Nothing" mit The Yes Men in der ACC Weimar und der damals bevorstehenden Landtagswahlen in Thüringen am 01. September 2024 riefen Threads & Tits zu einem Call for Participation auf. Sie wandten und wenden künstlerische Strategien zur De-Radikalisierung im digitalen Raum an und luden ein daran teilzunehmen. Die Einreichungen sollten eine Weiterentwicklung der Medien sein, die demokratiefördernd ist und rechten Netzwerken etwas entgegensetzt #hopecore
Studierende der Klasse Prof.in Heba Y. Amin waren auf der Berliner Fashion Week mit dem aktivistischen Künstlerkollektiv „The Yes Men“ vertreten und sorgten mit einer Guerilla-Intervention für internationale Berichterstattung.
Gemeinsam mit dem Berliner Designteam „Threads and Tits“ und der Arbeitsrechtsorganisation „Clean Clothes Campaign“ inszenierten diese eine (fake) Modeschau „Adidas Realitywear“. Das Ziel der Kampagne ist es Aufmerksamkeit auf die schlechten Arbeitsbedingungen der Marke zu lenken, insbesondere in Kambodscha.
Mit der Ernennung eines neuen „co-CEOs“ verspricht eine ehemalige Adidas-Fabrikarbeiterin und Gewerkschaftsvorsteherin mit dem Slogan “Own The Reality“ eine neue Ära der Verantwortung.
Dieser vermeintliche Wendepunkt wurde als Anlass genommen eine neue Kollektion zu präsentieren. Dem Publikum wurde durch die plakative Kollektion und die skurrile Darbietung kriechender und verwundeter Models eine bizarre Realität vor Augen geführt. Gemischte Reaktionen wurden erzeugt, die die Zusehenden teils voller Hoffnung teils ratlos zurückließen, unsicher, ob die von Adidas vorgeschlagene Veränderung tatsächlich real ist.
Anlässlich dieses Events sind eine Vielzahl an Artikeln erschienen. Berichtet haben u. a. Monopol, The Guardian, der Spiegel und die Frankfurter Allgemeinen Zeitung, um nur eine Auswahl zu nennen.
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Klasse Heba Y. Amin
Wenn ihr mehr über das Projekt erfahren wollt, besucht die Webseite von The Yes Men, das Instagram von Threads & Tits oder die Webseite von der Clean Clothes Campaign .
UTOPIA AS PRACTICE zielt darauf ab, unsere kreativen Praktiken für innovativere Zukunftsvorstellungen umzugestalten. Indem wir uns auf futuristische Denker und Praktiker mit unterschiedlichen Ansätzen in den Bereichen Kunst, Theorie, spekulative Fiktion, kritisches Design und Science Fiction stützen, fragen wir, wie unsere eigenen Praktiken uns helfen können, uns eine gerechtere Zukunft vorzustellen. Unser Beitrag auf der Architekturbiennale von Venedig wird sich mit den asymmetrischen Wissenssystemen befassen, die durch ideologische Rahmenbedingungen wie Imperialismus, Kolonialismus und Kapitalismus entstanden sind. Im Rahmen einer kritischen Reflexion der Vergangenheit werden wir verschiedene Methoden anwenden, die insbesondere von literarischen Denkern wie Octavia Butler, Donna Haraway und Ursula Le Guin inspiriert sind, sowie künstlerische Ansätze aus der spekulativen Zukunft von Afro-, Golf- und Indigenen.
Dieser Workshop wurde von Prof. Dr. Füsun Türetken und Prof. Heba Y. Amin im Deutschen Pavilion auf der Biennale Venedig 2023 durchgeführt. Lesen Sie mehr auf der Webseite von Arch+.
In Zusammenarbeit mit der 15. Triennale der Kleinplastik Fellbach mit dem Titel “The Vibration of Things”, kuratiert von Elke aus dem Moore, luden Studierende der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart aus der Klasse für Digitale und Zeitbasierte Kunst (bei Prof.in Heba Y. Amin) am Freitag, 3. Juni 2022 Mitglieder der Akademie und die Öffentlichkeit ab 10.30 Uhr zu einem eintägigen Symposium mit den beteiligten Künstler*innen ein.
Ein Teil der 15. Ausgabe der Triennale der Kleinplastik Fellbach findet zum ersten Mal in einem digitalen Ausstellungsraum statt. Quantum State will daher den Fokus auf die digitale Materialität richten und auf die Art und Weise, wie sich die Grenzen zwischen virtuell und real, materiell und immateriell aufgelöst haben. Wenn sich die digitale Repräsentation bereits als Symptom einer problematischen Repräsentationslogik entpuppt, die im kolonialen Diskurs konzipiert und eingebettet wurde, müssen wir uns fragen, was es bedeutet, sich als Kreativschaffende mit dem Digitalen zu beschäftigen. Digitale Werkzeuge haben nicht nur einen materiellen Einfluss auf Kunstobjekte und eine Neukonfiguration der skulpturalen Plastizität, sondern haben auch unsere Wissensstrukturen grundlegend verändert. Die teilnehmenden Künstler*innen erforschen eine Reihe von Themen, darunter spekulative Formen der Welterschaffung, KI-gesteuerte restaurative und heilende Praktiken, algorithmische prädiktive Technologien, Migration, Techno-Erbe und digitale Rückführung.
Die Künstler*innen Rheim Alkadhi, Lamin Fofana, Mohsen Hazrati, Nkhensani Mkhari, Jan Nikolai Nelles, Mitra Wakil & Fabian Hesse präsentierten ihre Position in kurzen Vorträgen, mit Eröffnungsworten der Kuratorin der 15. Triennale Kleinplastik Fellbach, Elke aus dem Moore.
Moderation: Heba Y. Amin, Constanze Bahlo, Luca Mercedes Braig, Lejla Dendic.
Luca Mercedes Braig
Mail: studio@lucamercedesbraig.de
Instagram: luca.mercedes.braig